KULTURVEREIN TRANSMITTER 2011



Das 20. Internationale Kunst- und Kulturfestival Transmitter ist ja ein Jubiläum, welches auch Anlass ist, das Vergangene zu reflektieren. Dies schlägt sich auch im Programm nieder. So werden Akteure des 1. Festivals uns die Ehre geben. Der Konzept- und Aktionskünstler Gottfried Bechtold wird dabei eine tragende Rolle spielen. Er wird gemeinsam mit jungen Künstlern wie Günther Blenke, Miro Kuzmanovic und Jürgen Tschabrun alias Septiwag eine Aktionskunstreihe während des Festivals durchführen. Inhaltlich ist beabsichtigt, sich mit den Veränderungen der Funktion kleiner Kulturveranstalter in den letzten zwei Dekaden auseinanderzusetzen. Denn durch die zunehmende Professionalisierung sind so wichtige Eckpfeiler wie Selbstorganisation, Selbstverwaltung und damit die Teilhabe möglichst vieler aktiver Menschen in der Kulturarbeit vor Ort weitgehend verschwunden. GesmbH´s lösten vielfach die Vereinsstrukturen ab, sodass die Verantwortung an die Geschäftsführung übertragen wurden. Flache Hierarchien sind nur noch vereinzelt zu finden. Auflagen der Fördergeber haben sicherlich auch zu dieser Situation beigetragen. Der Unterschied zu den damals stark kritisierten traditionellen Kultur- und Kunstinstitutionen ist nur noch marginal. Was gleichfalls schwer wiegt, ist der Verlust soziokultureller Aktivitäten. Mit unserem Schwerpunkt wollen wir nicht die Muppetskommentatorenjammerei prolongieren, sondern anhand unseres Engagements realisierbare Alternativen entwickeln. Und es schadet den „kleinen“ Kulturveranstaltern nicht, mal nachzudenken, ob diese Funktionsverschiebung (vom Untergrund in die Seitenblickeverdichtung) ein Irrweg ist.
Das „warm up“ findet am 16. September in Memoriam Christoph Schlingensief– ein langjähriger Freund und Unterstützer unseres Festivals – auf dem Hohenemser Schlossplatz statt.
Der programmatische Höhepunkt wird am 30. September und 1. Oktober in und um die Messehalle 8a in Dornbirn stattfinden, da in Hohenems keine geeigneten Räumlichkeiten vorhanden sind. 38 Jahresveranstaltungen in unserer Location „Barcamp“ in der Kaiser Franz Josef Str. 29 komplettieren unsere Aktivitäten.

Der Kulturverein Transmitter hat sich in den vergangenen 19 Jahren jeweils mit gesellschaftspolitischen Themen abseits des Mainstreams auseinandergesetzt. Bildungsnot, Armut, gesellschaftliche Schieflagen, Drogenpolitik, BürgerInnenrechte, Faschismus, Migration, Demokratiepolitik sind nur einige Beispiele, welche als Themenschwerpunkte behandelt wurden. Unser Ziel ist es nach wie vor, kritischen und widerständischen AkteurInnen abseits des Massenkommerzes und Massenkonsums anderer Festivals eine Bühne und die Möglichkeit der Mitgestaltung zu bieten. Denn viele dieser - vorwiegend junger - Menschen zieht es in die Städte, in denen sie für ihre Verwirklichung mehr Ressourcen und Nischen vorfinden. Damit reduziert sich auch ein gesamtgesellschaftlicher Diskurs, welcher für die Weiterentwicklung unseres Zusammenlebens wichtig ist.

Wir haben im vergangenen Jahr auch erreicht, dass sich die BetreiberInnen für ein autonomes Kulturzentrum im Rheintal an der Vereinsarbeit beteiligen. Bei der letzten Generalversammlung haben wir 50% des Vorstands mit diesen engagierten jungen Menschen besetzt. Damit ist auch eine zukünftige positive Vereinsentwicklung gesichert.

Neben der eigentlichen Vereinsarbeit bieten wir seit Kürze auch das soziokulturelle Förderprojekt „Schultopia“ an. welches von Montag bis Freitag, jeweils 14 – 18 Uhr für Kinder im Grundschulalter intensiv genutzt wird. http://schultopia.blogspot.com/

Das Projekt „Beisl-Orchestra“ besteht inzwischen seit einem Jahr. Diese „Combo“ setzt sich aus Menschen zusammen, welche Ausgrenzungen aus verschiedenen Ursachen erfahren. MigrantInnen, Psychiatrieerfahrene, Substanzgewöhnte, von einem körperlichen Handicap Betroffene und „Otto-NormalverbraucherInnen“ denen die Ausgrenzungsrealität auf den Geist geht, treffen sich wöchentlich, um gemeinsam Musik zu machen. Dabei entstehen nicht nur musikalische „Perlen“, sondern auch neue Beziehungen und Lebensbewältigungsstrategien ganz im Sinne des Inclusion. Es ist kein Frustprojekt, sondern auf weite Strecken eine lustvolle Verdichtung. Die Anzahl der Teilnehmenden schwankt aufgrund von Krankheit, Klinik- oder Haftaufenthalten zwischen 12 und 20 Personen.
Für das kommende Jahr haben wir vor, die gesamte Location in der Größe von ca. 350m2 in Zusammenarbeit mit dem autonomen Kulturverein Konkret anzukaufen oder anzumieten, um Räumlichkeiten für die Produktion von Kunst und Kultur zu ermöglichen. Wie erklärt ist es Realität, dass die Kulturveranstalter nur Bands und KünstlerInnen einkaufen, jedoch kein Raum für eine kontinuierliche soziokulturelle Aktivitäten zur Verfügung steht. Denn dieser Bereich wurde in den vergangenen Dekaden sträflichst vernachlässigt. Die Menschen vor Ort sind offensichtlich in deren Augen lediglich KonsumentInnen und keine Akteure.